Landschildkröten brauchen mehr
als 2 qm Platz!
Schildkröten leben seit mehr als 150 Millionen Jahren auf der
Erde. Im Laufe ihrer Evolution haben sie sich an die unterschiedlichsten Lebensräume
angepasst. Man findet sie in öden Wüsten und Steppen sowie in tropischen Regionen oder
in den Ozeanen. Durch Umweltveränderungen sowie durch verständnisloses,
rücksichtsloses menschliches Verhalten ist diese urweltliche Tierart inzwischen in ihrer
Existenz stark bedroht.
Maurische Landschildschildkröte: „Goliath“ (ca. 100 Jahre alt)

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg waren Landschildkröten regelmäßiges
Angebot des Zoohandels. Aufgrund unsachgemäßer, brutaler Transportpraktiken kamen
die Tiere meistens schon geschwächt in die Hände der Käufer.

Infolge ihres niedrigen Preises wurden sie meistens weniger von
Tierliebhabern, sondern von unwissenden Kunden als Spieltiere erworben. Durch
unsachgemäße Behandlung verendeten 98 % aller importierten Landschildkröten
bereits innerhalb des ersten Jahres. Inzwischen sind alle Landschild-krötenarten der
Erde so stark existenzbedroht, dass sie auf Liste 1 und 2 des Washingtoner
Artenschutz-abkommens – und unter Schutz stehen. Etwas anders sieht es mit den
amerikanischen Schmuck-schildkröten aus, die ebenfalls als „Warenhaustiere“
zu Tausenden im Tierhandel angeboten werden.
Sie werden überwiegend in Farmen gezüchtet. Die kleinen bunt gefärbten
Schildkröten-Babys verlocken vor allem Aquarienbesitzer und Kinder zum Kauf.
Die wenigsten der Käufer wissen jedoch – und werden auch vom Zoohändler
meistens nicht darauf hingewiesen - dass die Haltung sehr platz- und kostenaufwendig
ist, weil die Tiere groß wie Teller werden und viel Arbeit machen.

Der Gedanke", existenzbedrohte Tiere durch Zuchten unter
menschlicher Obhut zu retten, ist nicht neu. Jedoch was nützt es, die Tiere zu
züchten, wenn der notwendige Lebensraum nicht zur Verfügung steht?
Schildkröten sind im übrigen Wildtiere und verlieren ihr arttypisches Verhalten
auch nicht, wenn sie in der Gefangenschaft geboren werden. Als „Spielgefährten
für Kinder sind sie absolut ungeeignet, und sie brauchen mehr Platz und Bewegungsfreiheit,
als ihnen im Allgemeinen zur Verfügung gestellt wird. Sie können einfach keine
Heimtiere sein für eine Menge von Tierfreunden, die meistens außerstande sind,
die Bedürfnisse dieser Tiere zu erfüllen.

Viele Menschen glauben, dass Schildkröten aufgrund
ihres Panzers unempfindlich und ungeschickt sind, dass sie sich nur langsam fortbewegen
können und folglich nicht viel Platz brauchen. – Der Panzer hat zwar Einfluss auf
die Beweglichkeit der Tiere, aber dennoch sind Schildkröten lebhafte, ausdauernde
Läufer. Die fehlende Geschwindigkeit gleichen sie durch Beharrlichkeit und Geduld aus.
Auffangstation für Landschildkröten

Hier werden vom Umweltamt beschlagnahmte – aufgrund falscher
Haltung kranke und behinderte – sowie nicht mehr gewollte Tiere aufgenommen und ihren
Bedürfnissen entsprechend betreut.

... eine Möglichkeit, das Futter geschützt anzubieten.

Es stehen den Tieren zwei Treibhäuser zum Schlafen und
Überwintern zur Verfügung. Der Boden wurde bis zu 1 m Tiefe ausgehoben und durch ein
Gemisch von lockerer Erde, Sand und Laub ersetzt. Darüber eine dicke Schicht Heu, unter der
sich die Tiere gerne zum Schlafen verbuddeln. Im Winter wird die Fläche noch
zusätzlich mit einer dicken Schicht Stroh abgedeckt...

Neues Haus für die Schildkröten


Winterruhe für Landschildkröten
Die Winterruhe gehört zum natürlichen Leben europäischer
Landschildkröten.
Es mag Tiere geben, die auch ohne Winterruhe viele Jahre gut überstehen.
Es hat sich aber gezeigt, dass Schildkröten nach einer Winterruhe im Sommer lebhafter sind und
ein besseres Immunsystem haben, d. h. es macht sie weniger anfällig für Krankheiten.
Die Tiere sind biologisch auf eine Ruhezeit eingestellt.
Auf die Frage: „Wie soll man Schildkröten überwintern?“ gibt es leider keine
einheitlichen Informationen.
Da sehr viele Schildkrötenhalter den Tieren keinen geeigneten Überwinterungsplatz bieten
können, wird in den letzten Jahren immer häufiger die „Überwinterung im
Kühlschrank“ als die beste und sicherste Methode empfohlen und praktiziert. Den
natürlichen Prozess durch Menschenhand „unnatürlich“ herbeizuführen,
ist aber nicht so einfach und sicher wie es beschrieben wird.
Die Vorbereitung auf die Winterstarre verläuft unterschiedlich – bei jedem Tier anders und
dauert ca. 4 bis 6 Wochen. Die einen stellen die Nahrungsaufnahme früher ein, die anderen
später. Einige sind länger aktiv, einige tauchen früher ab. Eine selbstständige
und somit artgerechte Vorbereitung kann nur stattfinden, wenn Schildkröten draußen im
Freilandgehege gehalten werden.

In der Auffangstation für Landschildkröten bei
HAUS-UND-WILDTIERHILFE.de
können die Schildkröten in den Gewächshäusern überwintern.
Bei dieser Haltung im Freiland können die Schildkröten den Zeitpunkt der Winterruhe selbst
bestimmen.
Die Witterungsverhältnisse in unseren Breitengraden (kalte, nasse Sommermonate und fehlende
Sonne) stellen allerdings ein Problem dar. So werden bei niedrigen Temperaturen und anhaltendem Regen
UV-Lampen und wärmende Rotlichtlampen tagsüber eingeschaltet.
Etwa Mitte bis Ende Oktober stellen die Tiere nach und nach die Nahrungsaufnahme ein und es wird
nur noch Wasser getrunken. Die Schildkröten nutzen die letzten schönen Tage um ausgiebig
Sonnenbäder zu nehmen. Dabei setzen sie Kot und Urin ab.

Um die Entleerung des Verdauungstraktes zu unterstützen ist es sinnvoll, die Tiere zu diesem
Zeitpunkt in handwarmem Wasser (ca. 33° Celsius) zu baden bis kein Kot mehr abgesetzt wird. Mit
diesem Entleeren wird verhindert, dass Nahrung im Verdauungstrakt fault und gärt. Durch die
Bäder können die Schildkröten außerdem noch einmal ihren Wasserhaushalt für die
lange Winterstarre auffüllen.

Eine oft gestellte Frage:
„Wer badet die Schildkröten, die z.B. in der Wildnis Griechenlands leben?“
Bei den klimatischen Verhältnissen In den natürlichen Habitaten der Schildkröten
regelt sich das von selbst.
Schildkrötenhalter sind bemüht, Verhältnisse, die im natürlichen Habitat der Tiere herrschen,
zu simulieren, aber das ist leider nur bedingt möglich. Allein schon unser mitteleuropäisches
Klima ist eigentlich für die Haltung von europäischen Landschildkröten absolut ungeeignet.

In den Gewächshäusern werden jedes Jahr im Herbst vor der Winterruhe Erde und Einstreu
erneuert.

Aktion 2009
Wir bedanken uns bei der Fa. Helmut Klenker für die tatkräftige Hilfe
www.klenker-gartenbau.de



Danach freuen sich die Schildkröten über ein neues sauberes „Bett“

Sind die Temperaturen schließlich konstant tief, sind alle Schildkröten unter dem Heu verschwunden
und lassen sich nicht mehr blicken. Vor dem ersten Frost wird über dem Heu noch eine dicke Schicht
Stroh eingestreut.


Eine alte 100-jährige Maurische Landschildkröte „Goliath“
schafft es nicht mehr, sich tief genug unter dem Heu einzubuddeln. Er überwintert in einer
geräumigen mit Heu und Laub gefüllten Kiste in einem unbeheizten frostfreien Kellerraum.
Die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Winterruhe ist die optimale Pflege, und
Fütterung der Tiere während des ganzen Sommers. Spätestens Ende August muss der Tierarzt oder
die Tierärztin Kotproben auf einen möglichen Parasitenbefall untersuchen und gegebenenfalls
eine Entwurmung durchführen, damit die Schildkröten die Winterstarre gut überstehen. Kranke,
geschwächte oder verletzte Tiere dürfen keine Winterstarre halten.

Ernährung von Landschildkröten
In Bezug auf die Schildkrötenhaltung und –ernährung
sind die Ansichten in mancher Hinsicht sehr verschieden. Darum ist zunächst vorauszuschicken,
dass die hier zusammengefassten Ausführungen keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit
erheben, sondern vielmehr den Versuch darstellen, langjährige Erfahrungen und praktische Hilfen
weiterzugeben, die dazu beitragen sollen, das Verständnis für die Bedürfnisse
der Panzertiere und damit deren Wohlergehen zu verbessern.
Landschildkröten gehören zu den wechselwarmen Tieren, deren
Lebensfunktionen in erster Linie von der Körpertemperatur und damit von den Umweltbedingungen
ab hängen. Daraus ergeben sich Haltungsansprüche, die bei der privaten
„Heimtierhaltung“ und bei unseren klimatischen Verhältnissen sehr oft gar nicht
– oder nur schwer zu erfüllen sind. Davon abgesehen wird häufig angenommen, dass
diese Tierart aufgrund ihrer Langsamkeit mit einem geringen Platzangebot zufrieden sein kann:
Landschildkröten laufen jedoch viel und weit. Deshalb darf das Bedürfnis nach Platz
keinesfalls ignoriert werden.

Landschildkröten werden oft ungewollt Opfer einer unzureichenden
Fütterung und falscher Futtermittel. Sie dürfen nicht nur mit Obst, Tomaten und Gurken
gefüttert werden. Das Verfüttern von zu vielen süßen Früchten führt zu
Gärungsprozessen im Darm, was u.a. die Vermehrung von Parasiten zur Folge hat. Auch
wenn es den Tieren noch so gut schmeckt, sollten Tomaten und Obst, wie beispielsweise
Pfirsich und Banane, nicht zu oft angeboten werden.
Das Verfüttern von großen Anteilen tierischer, proteinreicher
Kost wie Katzen- und Hundefutter, Fleisch, Milch oder Teigwaren an Pflanzenfresser wie
Landschildkröten führt zu Stoffwechsel- und Organerkrankungen und schließlich zu
einem frühen Tod.

Landschildkröten ernähren sich im natürlichen Lebensraum
von wildwachsendem Grünfutter. Die Natur bietet den Landschildkröten reichlich Gräser,
Kräuter sowie Sträucher mit Blüten und Früchten. Tierische Kost wird nicht
völlig verschmäht. Durch den gelegentlichen Verzehr von Insekten, Raupen, Schnecken und
Regenwürmern wird normalerweise der sehr geringe Bedarf an tierischem Eiweiß gedeckt.
In menschlicher Obhut bietet man der Schildkröte am besten alles an, was auf einer
Blumenwiese oder im Garten an Gräsern und Kräutern zu finden ist: Löwenzahn
mit Blüten, Gänseblümchen, Vogelmiere, Rot- und Weißklee, Breit- und
Spitzwegerich, Brenn- und Taubnesseln und sonstige Wildkräuter.
Die Panzertiere entwickeln leicht Vorlieben für ein bestimmtes Futter.
Einseitige Kost schadet aber der Gesundheit und führt zu Mangelerscheinungen. Darum müssen
Schildkröten von Anfang an an eine abwechslungsreiche, gemischte und damit gesunde
Kost gewöhnt werden. Natürlich ist das Futterangebot saisonbedingt. Im Freiland
gezogene Salate. z.B. Feldsalat, Eisbergsalat, gerne Römersalat, aber auch alle anderen
Sorten und Blattgemüse sowie geriebene Möhren sind zu empfehlen. Kohlarten sind
ungeeignet.

F ür eine gesunde Verdauung werden unbedingt rohfaserreiche Ballaststoffe
benötigt. Ideal ist frisches Wiesenheu. Rohfaserreiche Kost hält auch Parasiten im
Magen-Darm-Trakt in Schach.
Schildkröten Shop:
Hervorragend bewährt hat sich das Futter von der Firma „Schildkröten Shop“.
Ein Klick auf diesen Link führt Sie direkt zu deren Homepage:
www.schildkroeten-shop.de
bietet hochwertiges Wiesenheu mit Wildkräutern an, zerkleinert und zu 15 mm Pellets
gepresst, – ein ideales, ballasthaltiges Grundfutter für Landschildkröten.
Mehr als 60 verschiedene Gräser und Kräuter geben diesem Raufutter seinen Wert.
In Wasser aufgeweicht kann man es zur freien Aufnahme anbieten. Unter Umständen dauert
es eine Weile, bis die Tiere sich daran gewöhnt haben und es annehmen. Man kann sie
eventuell überlisten, indem man anfangs ein bevorzugtes Futter untermischt.
Fa. ASTRA-AQUARIA: